Zum Tode von Dr. Rémy Petri

Am 2. Dezember 2018 verstarb in Sande der frühere Oberstudienrat am Mariengymnasium Jever Rémy Petri. Er war am 5. Juli 1934 in Thionville (Basse-Yutz) in Lothringen geboren worden und zog im Jahr 1936 mit seinen Eltern nach Bremen. Die Jahre des 2. Weltkriegs verlebte er in Dornumersiel in Ostfriesland. Nachdem er im Jahr 1941 in Westerbur eingeschult worden war, wollte er schon als Zweitklässler Lehrer werden, weil sein Volksschullehrer ihn derart beeindruckte und begeisterte. Mit dem Kriegsende im Frühling 1945 zog Petri mit seinen Eltern wieder nach Bremen zurück, wo er 1955 die Abiturprüfung am Alten Gymnasium bestand. Körperlich von einer überwundenen Polio-Erkrankung in jungen Jahren gezeichnet studierte Rémy Petri in Erlangen, Kiel und Hamburg die Fächer Klassische Philologie, Germanistik, Philosophie, Pädagogik und Musikwissenschaft. Im Jahr 1961 wurde er bei Reinhold Merkelbach an der Universität Erlangen mit einer gräzistischen Dissertation „Über den Roman des Chariton“ Dr. phil. promoviert. Darin wies er nach, dass der kaiserzeitliche Autor in seinem Werk keine religiöse Bedeutung transportiert, sondern nur auf eine Erzählebene abzielt. 1962 absolvierte er das 1. Staatsexamen für das gymnasiale Lehramt in Hamburg, dem ein Jahr im Privatschuldienst folgte. Ebenfalls im Jahr 1962 heiratete er seine Frau Irene. Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor.
Nach seinem Referendariat in Delmenhorst und Oldenburg legte Petri im Jahr 1965 das 2. Staatsexamen ab, zog mit seiner jungen Familie ins friesländische Sande und trat im selben Jahr in das Lehrerkollegium des Mariengymnasiums Jever ein.
Am Mariengymnasium unterrichtete Rémy Petri seitdem die Fächer Latein und Griechisch, aber aus seiner persönlichen Leidenschaft heraus ebenso die Fächer Deutsch und Musik. Dabei zeigte er sich seinen Lerngruppen regelmäßig als exzellenter Fachwissenschaftler. Seine konsequente Strenge wandelte sich – wie er es selbst in den 1990er Jahren nannte –  „mit großväterlicher Milde“ zu einer humorvollen Ernsthaftigkeit in einer stets guten und gedeihlichen Atmosphäre.
Vom Verein der Ehemaligen des Mariengymnasiums zu Jever e. V. wurde er im Vorfeld der 400-Jahr-Feier im Jahr 1973 gebeten, die von Hugo Harms aus reichen Quellen bis 1969 im Manuskript zusammengestellte Geschichte der Schule als Festschrift in eine handliche und lesbare Form zu bringen. Diese „Geschichte des Mariengymnasiums“erschien 1973 und wurde von Petri in seiner Funktion als stellvertretendem Schulleiter noch um eine zweite Festschrift mit Beiträgen über die Gegenwart der Schule ergänzt. Seit 1971 war er aufgrund seiner Verbundenheit zum Mariengymnasium als Lehrer und Vater auch Mitglied im Verein der Ehemaligen gewor-den, in dessen Mitgliederzeitschrift „Die alte Schulglocke“ er interessante Beiträge veröffentlichte.
Sein Amt als stellvertretender Schulleiter des Mariengymnasiums, das Petri als Nachfolger des am 31. Januar 1971 pensionierten Eberhard Kurtze angetreten hatte, gab er wenige Jahre später zurück und baute in den folgenden Jahren die Oberstufenbibliothek auf, die er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand leitete. Besonders durch seine reichen sprach-, literaturund kulturwissenschaftlichen Anschaffungen konzipierte er einen Buchbestand zum wissenschaftspropädeutischen Arbeiten in der reformierten Oberstufe, der die modernen Bestände der Bibliothek des Mariengymnasiums als Basis bis heute prägt. In den Jahren 1976 und 1983 folgte in zwei Teilen die Edition der „Series familiae Werdumanae usque ad annum 1667“, die Remy Petri gemeinsam mit seinem Kollegen Peter Wackwitz in lateinischer Sprache mit deutscher Übersetzung und Anmerkungen herausgab und die bis heute die wichtigste Quelle für die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Familie derer von Werdum aus dem Harlingerland darstellt. Zum Schuljubiläum im Jahr 1998 organisierte Petri gemeinsam mit Kollegen und OberstufenschuÌülern die Ausstellung „Schätze aus der historischen Bibliothek“, zu der ein ebenfalls von ihm betreuter Ausstellungskatalog erschien.
Zu den Sommerferien 1999 trat Remy Petri als Oberstudienrat in den Ruhestand, nachdem er die beiden bisher letzten Leistungskurse im Fach Latein am Mariengymnasium zum Abitur 1998 und 1999 geführt hatte. Eine ganze Generation von Schülerinnen und Schülern wurde durch sein umfassendes Wissen gefördert und fachlich motiviert.
Im Ruhestand blieb Petri seinen fachlichen Leidenschaften weiter verbunden. Er wirkte in derjeverschen „Literaria“, deren Auflösung wegen Überalterung er im November 2018 noch mitgestaltete, und leitete mit hohem Anspruch u. a. einen eigenen Literaturzirkel in Sande – auch noch, als er im hohen Alter fast vollständig erblindet selbst nicht mehr lesen konnte. Neben familiäre Aktivitäten mit seiner Frau, seinen Kindern und seinen Enkeln trat im Ruhestand auch die Herausgeberschaft mehrerer Bände mit Erzeugnissen aus den erwähnten literarischen Arbeitskreisen. Im Jahr 2006 gab er „Allerlei Friesisches zwischen Buchdeckeln: Gedichte und Prosa mutiger Autoren“ heraus, 2007 folgte die Anthologie „Wege von Mensch zu Mensch: wechselnde Pfade –  Schatten und Licht“ und im Jahr 2010 der Sammelband „Leben – Liebe – Licht: Erlebnisse und Betrachtungen heimischer Autoren“.

Das Mitgefühl der Ehemaligen des Mariengymnasiums gilt seiner Frau und seiner Familie.

von Matthias Bollmeyer

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