Abitur 2022 mit Bestleistungen

Abituerienten mit Bestleistungen: von links – Hanna Diekjakobs, Marie-Christine von Somnitz, Eske Röben (mit Sportpreis „Kurti“), Annika Janßen, Sophie Pavlenko, Jakob Lüers, Hauke Memmen, Anna Klaaßen, Osama Alhariri, Helena Finke, Jule Danielmeyer und Alexander von Finckenstein

JEVER/WAN Bei der großen Abiturfeier des Mariengymnasiums Jever gab es auch wieder etliche Bestleistungen von Abiturienten zu würdigen. Allen voran die Jahrgangsbesten mit einer 1 in der Gesamtnote.

 Spitzenreiter waren hier Anna Klaaßen, deren Abitur die Gesamtnote 1,1 aufweist, gefolgt von Helena Finke und Jakob Lüers mit der Note 1,3. Doch es gab mit Jule Danielmeyer, Sophie Pavlenko, Hauke Memmen und Alexander von Finckenstein gleich noch vier weitere Abiturienten mit der Note 1,3 und nur durch marginal niedrigere Punktzahlen erst auf den folgenden Plätzen.

 Beim Vorschlagsrecht des Mariengymnasiums für Stipendien für die Besten und Engagiertesten benannte die Schule Osama Akhariri, Jakob Lüers und Hauke Memmen für ein Stipendium der „Studienstiftung des deutschen Volkes“. Voraussetzung dafür sind neben den reinen Leistungen auch gesellschaftliches Engagement, Interessen und soziale Kompetenzen. Außerdem wurde für das Begabtenförderungsprogramm des katholischen Cusanuswerkes Marie-Christine von Somnitz vorgeschlagen.

 Preise und Mitgliedschaften erhielten im Übrigen für besondere fachbezogene Leistungen Lisa-Marie Zidak (Altphilologen), Hauke Memmen (Verein für Sozialpolitik der evangelischen Kirchen in Niedersachsen), Anna Klaaßen und Osama Alhariri (Gesellschaft Deutscher Chemiker) sowie Finn Lindig und Hauke Memmen (Deutsche Physikalische Gesellschaft).

Autor: Wolfgang A. Niemann

MARIENGYMNASIUM 98 Abiturienten nehmen Zeugnisse entgegen

Schulleiter Ploeger-Lobeck schickt sie auf „HeldenReise“

„Diese Schüler haben Krisenfestigkeit bewiesen“

die 98 Abiturienten des Jahrgang 2022

JEVER/WAN Kein Abiturjahrgang seit 75 Jahren habe vor größeren Herausforderungen als dieser gestanden, seit aus der gewohnten Weltordnung vor zweieinhalb Jahren eine Weltunordnung wurde.

 Auf diese Feststellung der Vorsitzenden der Ehemaligen des Mariengymnasiums Jever Renate Janßen-Niemann gingen am Donnerstag auch die anderen Grußworte anlässlich der Abiturfeier in der Stadtkirche ein. Corona habe das Leben der Schüler völlig auf den Kopf gestellt, betonte die stellvertretende Landrätin Marianne Kaiser-Fuchs.

 Und all die Regelungen „von oben“ hätten manches noch verschlimmert, fügte Jan Edo Albers hinzu. Doch der Bürgermeister, selbst ein Ehemaliger des MG, machte auch Mut: „Gehen Sie Ihren Weg mit Überzeugung und Zuversicht.“ Ihre Krisenfestigkeit habe diese Abiturientia unter dem ständig drohenden Damoklesschwert von Quarantäne und Lockdown hinreichend bewiesen, würdigten Katja Fahle und Annette Muschalik in ihrem Grußwort des Schulelternrats die Haltung der frischgebackenen Abiturienten, und rieten, sich auch in Zukunft nicht wegzuducken vor den Problemen der Welt: „Verstehen Sie sich als Teil der Lösung!“

 Bei der Abiturrede für das Kollegium begeisterten Rabia Schadel und Dr. Georg Wagner-Kyora mit einer Ode an die Schüler, die nach Worten großer deutscher Dichter ebenso geschliffen und hintersinnig wie von köstlichem Pathos getragen war. Um so kritischer geriet dann die Abiturientenrede von Hauke Memmen, wobei er allerdings auch das hohe Engagement der Lehrer hervorhob. Von allen hätten die Schüler etwas mitbekommen und sei es nur die Fähigkeit, auch langweilige Stunden durchzustehen.

 Missstände wie zuweilen unzureichende Unterrichtsversorgung und dass dank der Politik Fahrten und andere Gemeinsamkeiten weggefallen seien, rechnete er ebenso dazu wie Mängel in der Kommunikation. Und Corona habe  es nicht gerade besser gemacht mit all den Verkomplizierungen von oben. Mit Blumenbuketts dankte Memmen  abschließend für den besonderen Einsatz der Oberstufenkoordinatoren Kati Finke und Christian Zilinksy sowie der Schulsekretärin Brigitte Eilers. Und deren Kollegin  Edith Klostermann bescheinigte er unter viel Beifall: „Egal, was war, sie fand immer eine Lösung.“

 Schulleiter Jürgen Ploeger-Lobeck bezeichnete vieles an Memmens kritischen Worten als angemessen und er bedankte sich im Übrigen zu Beginn seiner Ansprache für den sympathischen Abi-Streich am Vortag. Bevor er anhob zu einer brillanten Abiturrede,  gab es eine Würdigung vorweg: „Das Abitur ist die Bestätigung für Intelligenz, Fleiß und Durchhaltevermögen.“

 Um dann den Weg bis dahin als eine Abenteuerreise von Helden zu beschreiben, bei der solch unerwartete Film- und Romanfiguren wie Luke Skywalker, Hamlet, Rocky Balboa und Harry Potter beispielhaft anführt wurden. Für die Heldenreise, zu der die Abiturienten nun aufbrechen, gab er ihnen mit auf den Weg: „Bleiben Sie kritisch und wachsam. Seien Sie wie jeder gute Held leicht zu begeistern, aber schwer zu beeindrucken.“

 Umrahmt wurde die Feier von hervorragenden Musikbeiträgen verschiedener Schüler. Während da „Bridge over troubled Water“ besonders gut zu diesem krisengestählten Jahrgang passte, machte Piet Thiesen solo zur Gitarre mit Sarah Leschs gallig-satirischem Lied „Testament“ unter anderem klar, dass kein Kind ein Problemkind sei, nur weil es unangepasst ist.

von Wolfgang A. Niemann

Abiturientenredner Hauke Memmen und der von ihm geehrte Schulleiter Jürgen Ploeger-Lobeck
Hauke Memmen dankt Schulsekretärin Edith Klostermann mit einem Bukett
Piet Thiesen beim Liedvortrag „Testament“       

So war die letzte Premiere der Musical-AG

MARIENGYMNASIUM Stehende Ovation im Theater am Dannhalm – Stück bleibt bis zum Schluss mitreißend

  JEVER/WAN Mit nicht enden wollenden stehenden Ovationen endete am Mittwoch im Theater am Dannhalm eine Ära: die Inszenierung von „Midnight in Berlin“ war die letzte Premiere der Musical-AG des Mariengymnasiums zu Jever unter der Ägide von Jens Marnowsky.

 Wie immer seit dem Auftakt von 1998 kam (fast) alles aus der Feder des Impresarios und auch diesmal rissen Handlung und selbstkomponierte Songs mit. Für so manchen Szenenapplaus sorgten zudem die schmissigen Tanzeinlagen, für deren Choreografie zur Msuik der bestens aufgelegten MG-Band erneut Meic Stephan gesorgt hatte. Und das bestens aufgelegte Ensemble widmete sich mit diesem Berlin-Musical den wilden 20er Jahren, die für diese Geschichte ein idealer Nährboden war.

 Zur Einstimmung wurde der Titelsong „Linie 1“ aus dem früheren Bühnenerfolg des MG dargebracht und diese S-Bahnlinie führte hier Ines (Anrike Hering), eine verträumte angehende Schriftstellerin, mit ihrem eher oberflächlichen Freund Maurice (Renke Meenen) in die andere Zeitebene. Wo sie in das legendäre Nachtleben der brodelnden Metropole geraten und an ebenso illustres wie schräges Publikum.

 Fasziniert verfolgt Ines, die zwischendurch immer wieder versucht, ihr erstes Buchmanuskript irgendwo unterzubringen, vor allem den aufstrebenden Star der Szene: Bertolt Brecht (Jule Danielmeyer). Zusammen mit Kurt Weill, Lotte Lenja und anderen Größen der Theaterszene versucht der Dramatiker, seine „Dreigroschen-Oper“ zu inszenieren. Dabei tauchen allerdings immer wieder Geldeintreiber auf und diese beiden Darstellerinnen sorgten für etliche skurrile und auch schwarzhumorige Szenen bis hin zum kleinen Badewannenmord.

 Zu den mitwirkenden Künstlern gehören dann auch Dadaisten oder Maler wie Otto Dix und Max Liebermann, während Brecht die talentlose Mizzie ((Linnea Hartwig) aufgedrängt wird und diese sich herrlich naiv-doof gebärdet. Zum Höhepunkt des unablässigen Treibens wird dann die große Probe der Dreigroschen-Oper, wo sich Polizei-Chef Jackie Brown und Gaunerkönig Peechum köstliche Hahnenkämpfe liefern, umrahmt von berauschenden Choreografien bis hin zu Charleston und Can-Can.

 Zwischendurch geht Maurice mit Tänzerin Carol fremd und die ratlose Ines findet Trost beim charmanten Gil (Philip Tran), der ihr romantische Ständchen bringt. Und ihr schließlich auch ein ebensolches Finale beschert. Viel genauer kann man diese ebenso handfeste wie ausgelassene Geschichte kaum erzählen, nur eben, dass sie bis zuletzt mitreißend bleibt.

 Der Beifallssturm im gut besuchten Theater war vollauf verdient angesichts der Leistungen des gesamten Ensembles. Die Musik war geradezu perfekt, die Choreografien ein Hingucker und die Spielfreude der jungen Schauspieler schlicht herzerfrischend. Bleibt der große Wermutstropfen: an diesem Monat und Dienstag, jeweils um 19.30 Uhr, hebt sich der Vorhang für diesen Theaterspaß der Musical-AG voraussichtlich das allerletzte Mal.

Autor: Wolfgang A. Niemann

Jahreshauptversammlung

am Freitag, dem 11. März 2022 um 19 Uhr 

digital:

https://mariengym-jev.de/iserv/public/videoconference/PND8HAyUQqgEVgaL2weEtk

Tagesordnung 

1. Begrüßung 

2. Genehmigung des Protokolls 

3. Bericht der Vorsitzenden 

4. Bericht des Schatzmeisters

5. Bericht der Rechnungsprüfer

6. Entlastung des Schatzmeisters

7. Entlastung des Vorstands 

8. Neuwahl des Vorstands 

9. Neuwahl eines Rechnungsprüfers 

10. Auswirkungen der Pandemie auf den Schulalltag 

11. Wie kann der Verein Unterstützung leisten?

12. Verschiedenes 

Renate Janßen-Niemann, Vorsitzende 

Kunst am MG

FOTO: Wolfgang A. Niemann

  JEVER Der in Wilhelmshaven lebende marokkanische Künstler Aziz Elgat schuf dieses deckenhohe 3D-Fresco im Foyer des Verwaltungsneubaus des Mariengymnasiums. Es zeigt Jevers Regentin Fräulein Maria als bildungsbewusste Herrscherin. Unübersehbar empfängt sie so jeden Lehrer, Schüler und Besucher in der Bildungsanstalt, die sie einst 1573 als Lateinschule gründete. Ermöglicht wurde das aufwendige Kunstwerk durch Spenden des Fördervereins sowie des Vereins der Ehemaligen. Eine offizielle Einweihung des beeindruckenden Bildnisses soll in Kürze erfolgen.                    

Autor: Wolfgang A. Niemann

Mariengymnasium Feierliche Zeugnisübergabe an 67 Abiturienten in der Stadtkirche – Schulleiter: „Kein Abi light“

Willensstärke und Stressresistenz bescheinigt

  JEVER/WAN Allen Widrigkeiten zum Trotz wurden die Zeugnisse für das Abitur 2021 des Mariengymnasiums zu Jever an diesem Donnerstag mit einer großen Feierstunde ausgegeben. Als schon traditioneller Gastgeber freute sich Pastor Torsten Harland in der Stadtkirche zur Begrüßung: „So schön – so viele Menschen hier!“

 Womit er wie die folgenden Redner die Belastungen der Corona-Krise ansprach. Wozu Schulleiter Jürgen Ploeger-Lobeck aber unmissverständlich klarstellte, dass es deshalb nicht etwa ein „Abi light“ geworden sei: „Eher im Gegenteil.“ Und eine der besonderen Herausforderungen räumte in ihrem Grußwort gleich eingangs die stellvertretende Landrätin Marianne Kaiser-Fuchs ein, das Hin und Her an Erlassen und Verordnungen, die die Schulleitung oft quasi über Nacht umzusetzen hatte.

 Diesen echten Corona-Jahrgang gelte es besonders zu würdigen, betonte dann Bürgermeister Jan Edo Albers, der vor genau 25 Jahren hier selbst sein MG-Abitur feiern durfte. Renate Janßen-Niemann vom Verein der Ehemaligen des MG bescheinigte den Absolventen, dass sie mit unbändigem Willen wie die Schweiz bei der EM über Weltmeister Frankreich triumphiert und den Weg zu ihrer Europameisterschaft geebnet hätten.

 Katja Fahle und Annette Muschallik bescheinigten den Abiturienten seitens des Schulelternrats hohe Stressresistenz und gaben ihnen eine Art Kalenderspruch mit: „Man sollte viel öfter mal einen Mut-Ausbruch haben.“ Und dann starteten Schulleiter Ploeger-Lobeck und Oberstufenkoordinatorin Kati Finke ein Rededuett mit 18 Seiten Manuskript. Aber – das war so geistreich, locker und witzig, dass kein Wort zu viel erschien.

 Da überboten sie sich beim sogenannten Quartett mit Schüler-Höchstleistungen und bescheinigten ihren Schützlingen eine Meisterschaft im Finden von Lösungen angesichts immer neuer Widerstände. Dabei sei dieser Jahrgang durch die Pandemie wie keiner je zuvor in Mitleidenschaft gezogen worden, denn ihr normales Schülerleben wurde praktisch komplett abgesagt: kein Sport, keine Freizeitangebote, keine Exkursionen und Arbeitsgemeinschaften und kaum soziale Kontakte bei trotzdem hohen schulischen Ansprüchen. Dem seien sie mit viel Kreativität, Geduld und Entschlossenheit begegnet.

 Nach einem großen Dank auch für das Mitziehen der Eltern und einem philosophischen Ausflug zum Thema Lebensglück betonte Kati Finke den Unterschied, den das Abitur als Meilenstein im jungen Leben ausmacht: „Sie sollten – nun dürfen Sie wollen!“ Wie gut das Schüler-Lehrer-Verhältnis war, unterstrich Marc Luhr in seiner Abiturientenrede. Sie hätten stets gespürt, wie sehr es nicht nur ihr Anliegen sondern auch das ihrer Lehrer gewesen sei, das Ziel zu erreichen.

 Riesenbeifall folgte dann auf sein hohes Lob für die Schulsekretärinnen Edith Klostermann und Brigitte Eilers und ihre Tutoren. Aber ebenso auch auf die Ankündigung, dass es ganz kurzfristig gelungen sei, doch noch für den Freitagabend einen zünftigen Abi-Ball in der Wittmunder „Residenz“ zu arrangieren.

 Bevor die Zeugnisse ausgegeben wurden, erfolgte mit „Bridge over troubled Waters“ (Simon & Garfunkel) von einem Abiturientenquartett mit Musiklehrerin Frauke Harland der für diesen Corona-Jahrgang absolut passende Musikbeitrag. Und es gab abschließend noch einmal etwas zum Staunen, denn unter den 68 diesjährigen Abiturienten waren gleich 21 mit einer 1 vor dem Komma. Das Spitzenquartett Clemens Beisenherz (1,0), Luise Sluiter, Sarah Becker und Kareshan Mayurathan (alle 1,2) wurde besonders gewürdigt. Neben einigen anderen mit Stipendien bedachten Schülern wurden Beisenherz sowie Jonas Evers für die Studienstiftung des deutschen Volkes vorgeschlagen.

Autor: Wolfgang A. Niemann

MARIENGYMNASIUM Großartige Leistung: Publikum begeistert vom neuen Stücke der Musical-AG

AM ENDE SIND SIE FAST ALLE VERRÜCKT

 JEVER/WAN Alles war an diesem Mittwoch anders als bei den 17 bisherigen Inszenierungen der Musical-AG des Mariengymnasiums zu Jever unter Leitung von Jens Marnowsky. Nur eines nicht: Begeisterung pur bei der Premiere im Theater am Dannhalm.

 Corona hatte dazu geführt, dass nur unter sehr erschwerten Bedingungen geprobt werden konnte, und bis vor kurzem war noch offen, ob man überhaupt würde drinnen spielen können. Und Regisseur Marnowsky hatte „Haltestelle Geister“ coronamäßig um zu hautnahe Szenen und berührungsintensive Choreographie-Einlagen gekürzt.

 Dennoch entfaltete das postmoderne Theaterstück, das in voller Pracht bereits 2007 in der Aula des MG für Furore sorgte, einen hinreißenden Charme. Das begann schon vor dem beeindruckenden Bühnenbild einer U-Bahnhaltestelle, als sich auf deren zentraler Rundbank die angebliche außerirdische Prinzessin Tallulah (Anrike Hering) herumdrückte. Alsbald wird sie mal vom Imbissinhaber – Philipp Tran als herrlich kauziger Fritten-Galan – umgarnt, mal von Dealer Rico aufgesucht.

 Der treibt immer wieder sein Unwesen, doch es sei gleich vorweg gesagt: dieses absurde Stück hat keine echte Handlung. Als roter Faden ziehen sich stattdessen wenig harmonische Beziehungsgeflechte und vor allem ein dunkler Todesengel so durch das Geschehen, dass zum Finale hin quasi alle Akteure entweder verrückt oder tot oder beides sind.

 Da rauben Straßenmädchen einen älteren Herrn aus, dessen Absichten nicht ganz sauber erscheinen. Da geistert ein sehr alter Mann umher, der seit 19 Jahren seine Frau vermisst, aber nicht sagen kann, wie sie aussieht. Und dann wäre da noch der Herr, der eine per Internet kontaktierte Frau sucht und frustriert auf immer neue Ablehnung stößt.

 Zu den stärksten Szenen aber gehören die Streitereien zwischen dem Opernfreund und seiner aufgetussten Gattin (Jane Fischer, Lea Weihrauch). Sie brauchen keinen Anlass für wild bewegte Zusammenstöße der frivolen Art. Doch auch bei anderen Dialogen wird es zuweilen rüde und sexuell aufgeladen, dabei hat Jens Marnowsky den heftigen Originaltext bereits „entschärft“. Die Akteure aber, unter ihnen etliche frischgebackene Abiturienten, spielten mit viel Spielfreude auf und das galt auch für die von Meic Stephan einstudierten Choreografien.

 Immer wieder gab es Musikeinlagen bis hin zu Rap und Opernarie, bei denen sowohl die Schulband wie auch die Sänger überzeugten. Bis das Ganze ebenso schräg philosophisch wie schwarzhumorig ins morbide Finale führte. Der Todesengel hatte inzwischen allen Figuren seinen Stempel auf die Stirn gedrückt und für surreale Missverständnisse sorgte bei all dem ein Obdachloser, der alle Toten verstehen kann, nur geben seine Übersetzungen das Gesagte nicht immer so ganz richtig wieder.

 Als dann schließlich die immer wieder mal über die Bühne tappernde blinde Frau „Hallo?“ ruft, ist die Bühne leer und das Stück aus. Und das – ebenfalls coronagemäß reduzierte – Publikum springt auf zu großem Beifall für eine unter diesen Umständen großartige Leistung. – Die nächsten Aufführungen folgen nun heute sowie am 10., 12. und 13. Juli jeweils um 19.30 Uhr.   

Autor: Wolfgang A. Niemann

Was für ein Theater mit Corona

Der Untertitel: „AUFFÜHRUNG Mariengymnasium Jever führt im Juli sein neues Stück auf“

Szenenprobe

  JEVER/WAN Und nun zum Trotz: es wird in diesem Sommer ein Musical am Mariengymnasium zu Jever geben! Vom 6. bis zum 16. Juli sollen je nach Corona-Situation bis zu sechs Aufführungen open-air stattfinden

  Regisseur und Allroundmanager Jens Marnowsky hat dafür mit Helmut Kraussers „Haltestelle Geister“ eigens ein corona-geeignetes Stück ausgesucht, das ohne enge Gruppenbildungen auf der Bühne auskommt. Seit drei Wochen proben die Mitwirkenden nun bereits draußen, denn als Bühne dient der Pausenhof. An diesem Mittwoch fand endlich die erste gemeinsame Probe von Ensemble und Band statt, bei der Choreograf Meic Stephan auch die sehr unterschiedlichen Tanzeinlagen einstudierte.

 Abstände einzuhalten war während des strengen Lockdowns natürlich eine besondere Herausforderung und anfangs konnte es sogar nur per Online-Proben gehen. Dann folgten Musikerproben, bei denen jeder der Bläser in einem gesonderten Klassenzimmer spielte. Die zehn Musiker und Jens Marnowsky waren an diesem milden Probennachmittag – „Bei den vorherigen Proben hier draußen haben wir ganz schön gefroren!“ – die einzigen ohne Maske und die 15 Akteure mussten schon recht laut sprechen, um überhaupt verstanden zu werden.

 Das postmoderne Stück wurde 2007 bereits einmal von der Musical-AG des MG inszeniert und war nicht nur ein umjubelter Erfolg, aus ihm ging mit Jonas Schlagowsky auch ein Akteur hervor, der inzwischen als Schauspieler auf großen Bühnen und im Fernsehen spielt. Nicht umsonst gilt allerdings eine Altersbegrenzung ab 16 Jahre, weil es in „Haltestelle Geister“ ausgesprochen deftig zugeht mit rabiaten Szenen und Texten. Wobei die diesjährigen Akteure aus den Jahrgängen 9 bis 13 kommen und einige gerade erst dieses Alter erreicht haben.

 Die besonderen Umstände lassen im Übrigen lediglich 50 Zuschauer pro Aufführung zu. Wegen der wettermäßigen Unwägbarkeiten und eventueller Querschüsse durch Corona gibt es keinen Vorverkauf und es wird ein QR-Code vorgehalten, um tagesaktuell feststellen zu können, ob die jeweilige Vorstellung stattfinden kann.

 Für Jens Marnowsky ist es seit 1998 bereits die 18. Inszenierung, die des letzten Jahres aber soll auch nicht entfallen. Die Pandemie hatte das selbst entwickelte Stück „Homo Empathicus“ bekanntlich ausgebremst, nachdem es schon fast bühnenreif einstudiert war. Es dreht sich um die wilden 20er Jahre des 20. Jahrhunderts und hier heißt es noch einmal „Trotzdem“ – es soll nun eben 2022 nachgeholt werden und dann möglichst wieder in gewohnter Form und im Theater am Dannhalm.

Autor: Wolfgang A. Niemann 

Ein bisschen wie Rühmanns Feuerzangenbowle

das Hauptgebäude des MG, der historische Trakt

GESCHICHTE Warum 22 Männer vor 75 Jahren ihr Abitur in Jever zweimal machen mussten

JEVER/WAN An sich ist das Abitur ja eine einmalige Angelegenheit, mit der die Absolventen die „Allgemeine Hochschulreife“ erlangen. Vor 75 Jahren jedoch gab es am Mariengymnasium zu Jever 22 jungen Männer, die gewissermaßen ein doppeltes Abitur ablegten.

 Bis auf ein paar internierte Soldaten oder Vertriebene handelte es sich um den jeverschen Jahrgang 1926. Diese Schüler hatte die Wehrmacht kriegsbedingt im März 1943 als Flakhelfer zum Fliegerhorst Upjever abkommandiert. Anfangs gab es dort auch noch etwas Unterricht, da die jungen Männer jedoch bald schon als viel wichtiger für die Erringung des Endsiegs erachtet wurden, erhielten sie auf Grundlage einer entsprechenden Verordnung von 1940 das sogenannte Notabitur und den Marschbefehl.

 Wie Oswalt Andrae (1926-1997) zum Goldenen Abitur vor 25 Jahren als Betroffener süffisant schilderte, sollte sich das mit der Hochschulreife als eine Illusion herausstellen: „Das Soldatenleben pflegte im Allgemeinen nicht nur Hebung des geistigen Niveaus eines Menschen beizutragen. Da außerdem die Schulbildung der Kriegsabiturienten recht lückenhaft war,…. entschlossen sich die Hochschulen 1945, die sogenannten Reifevermerke ohne Prüfung nicht mehr anzuerkennen.“

 Um die an dieser Misere ja schuldlosen jungen Männer nicht im Regen stehen zu lassen, lud man sie zu einem halbjährigen Kursus ein, um die für das Abitur erforderlichen Kenntnisse doch noch zu erwerben. Immerhin wollte man den „Kriegsveteranen“ aber nicht das volle Programm aufnötigen und beließ es bei den Fächern Deutsch, Latein, Englisch, Mathematik und Physik.

 Um den wieder anlaufenden Schulbetrieb im MG, das während der Kriegsjahre bekanntlich als Lazarett genutzt worden war, nicht durch solche erwachsenen Schüler zu stören, fand der Unterricht ab dem 24. Oktober in einem Privathaus an der Schlachte statt. Wie klug diese Regelung war, unterstreicht dazu ein Kommentar von Oswalt Andraes Klassenkamerad Ingo Gralfs: „Es war erstaunlich, wie junge Männer, die die schrecklichsten Kriegswirren durchlebt hatten, auf der Schulbank wieder in die alte Pennälerhaltung zurückfielen.“

 Tatsächlich gibt es manche Anekdoten über kleine Flegeleien, Zigarettenqualm in der Klasse und Veräppelungen von Lehrern. Die übrigens durchweg Spitznamen bei den Schülern hatten: Direktorlein (Oberstudiendirektor Gerwin), Hein Uhl (OstD Dr. Uhlmann), Klassenlehrer Buffi (Studienrat Schmertmann), Traumulus (StR Dr. Niermeyer), Pük (StR Dr. Andrée) und Pips (StR Krüger).

 Am 1. April 1946 war es dann wirklich kein Aprilscherz, dass alle 22 ihr nunmehr einschließlich einer Prüfung erworbenes vollwertiges Reifezeugnis erhielten. Und es ist überliefert, dass aus allen „etwas geworden“ ist. Ingo Gralfs zum Beispiel machte eine Karriere bis hin zum Senatspräsidenten beim OLG Celle und Oswalt Andrae wurde als Dichter und Schriftsteller weit über seine Heimat hinaus berühmt.

Autor: Wolfgang A. Niemann