MARIENGYMNASIUM Großartige Leistung: Publikum begeistert vom neuen Stücke der Musical-AG

AM ENDE SIND SIE FAST ALLE VERRÜCKT

 JEVER/WAN Alles war an diesem Mittwoch anders als bei den 17 bisherigen Inszenierungen der Musical-AG des Mariengymnasiums zu Jever unter Leitung von Jens Marnowsky. Nur eines nicht: Begeisterung pur bei der Premiere im Theater am Dannhalm.

 Corona hatte dazu geführt, dass nur unter sehr erschwerten Bedingungen geprobt werden konnte, und bis vor kurzem war noch offen, ob man überhaupt würde drinnen spielen können. Und Regisseur Marnowsky hatte „Haltestelle Geister“ coronamäßig um zu hautnahe Szenen und berührungsintensive Choreographie-Einlagen gekürzt.

 Dennoch entfaltete das postmoderne Theaterstück, das in voller Pracht bereits 2007 in der Aula des MG für Furore sorgte, einen hinreißenden Charme. Das begann schon vor dem beeindruckenden Bühnenbild einer U-Bahnhaltestelle, als sich auf deren zentraler Rundbank die angebliche außerirdische Prinzessin Tallulah (Anrike Hering) herumdrückte. Alsbald wird sie mal vom Imbissinhaber – Philipp Tran als herrlich kauziger Fritten-Galan – umgarnt, mal von Dealer Rico aufgesucht.

 Der treibt immer wieder sein Unwesen, doch es sei gleich vorweg gesagt: dieses absurde Stück hat keine echte Handlung. Als roter Faden ziehen sich stattdessen wenig harmonische Beziehungsgeflechte und vor allem ein dunkler Todesengel so durch das Geschehen, dass zum Finale hin quasi alle Akteure entweder verrückt oder tot oder beides sind.

 Da rauben Straßenmädchen einen älteren Herrn aus, dessen Absichten nicht ganz sauber erscheinen. Da geistert ein sehr alter Mann umher, der seit 19 Jahren seine Frau vermisst, aber nicht sagen kann, wie sie aussieht. Und dann wäre da noch der Herr, der eine per Internet kontaktierte Frau sucht und frustriert auf immer neue Ablehnung stößt.

 Zu den stärksten Szenen aber gehören die Streitereien zwischen dem Opernfreund und seiner aufgetussten Gattin (Jane Fischer, Lea Weihrauch). Sie brauchen keinen Anlass für wild bewegte Zusammenstöße der frivolen Art. Doch auch bei anderen Dialogen wird es zuweilen rüde und sexuell aufgeladen, dabei hat Jens Marnowsky den heftigen Originaltext bereits „entschärft“. Die Akteure aber, unter ihnen etliche frischgebackene Abiturienten, spielten mit viel Spielfreude auf und das galt auch für die von Meic Stephan einstudierten Choreografien.

 Immer wieder gab es Musikeinlagen bis hin zu Rap und Opernarie, bei denen sowohl die Schulband wie auch die Sänger überzeugten. Bis das Ganze ebenso schräg philosophisch wie schwarzhumorig ins morbide Finale führte. Der Todesengel hatte inzwischen allen Figuren seinen Stempel auf die Stirn gedrückt und für surreale Missverständnisse sorgte bei all dem ein Obdachloser, der alle Toten verstehen kann, nur geben seine Übersetzungen das Gesagte nicht immer so ganz richtig wieder.

 Als dann schließlich die immer wieder mal über die Bühne tappernde blinde Frau „Hallo?“ ruft, ist die Bühne leer und das Stück aus. Und das – ebenfalls coronagemäß reduzierte – Publikum springt auf zu großem Beifall für eine unter diesen Umständen großartige Leistung. – Die nächsten Aufführungen folgen nun heute sowie am 10., 12. und 13. Juli jeweils um 19.30 Uhr.   

Autor: Wolfgang A. Niemann

Was für ein Theater mit Corona

Der Untertitel: „AUFFÜHRUNG Mariengymnasium Jever führt im Juli sein neues Stück auf“

Szenenprobe

  JEVER/WAN Und nun zum Trotz: es wird in diesem Sommer ein Musical am Mariengymnasium zu Jever geben! Vom 6. bis zum 16. Juli sollen je nach Corona-Situation bis zu sechs Aufführungen open-air stattfinden

  Regisseur und Allroundmanager Jens Marnowsky hat dafür mit Helmut Kraussers „Haltestelle Geister“ eigens ein corona-geeignetes Stück ausgesucht, das ohne enge Gruppenbildungen auf der Bühne auskommt. Seit drei Wochen proben die Mitwirkenden nun bereits draußen, denn als Bühne dient der Pausenhof. An diesem Mittwoch fand endlich die erste gemeinsame Probe von Ensemble und Band statt, bei der Choreograf Meic Stephan auch die sehr unterschiedlichen Tanzeinlagen einstudierte.

 Abstände einzuhalten war während des strengen Lockdowns natürlich eine besondere Herausforderung und anfangs konnte es sogar nur per Online-Proben gehen. Dann folgten Musikerproben, bei denen jeder der Bläser in einem gesonderten Klassenzimmer spielte. Die zehn Musiker und Jens Marnowsky waren an diesem milden Probennachmittag – „Bei den vorherigen Proben hier draußen haben wir ganz schön gefroren!“ – die einzigen ohne Maske und die 15 Akteure mussten schon recht laut sprechen, um überhaupt verstanden zu werden.

 Das postmoderne Stück wurde 2007 bereits einmal von der Musical-AG des MG inszeniert und war nicht nur ein umjubelter Erfolg, aus ihm ging mit Jonas Schlagowsky auch ein Akteur hervor, der inzwischen als Schauspieler auf großen Bühnen und im Fernsehen spielt. Nicht umsonst gilt allerdings eine Altersbegrenzung ab 16 Jahre, weil es in „Haltestelle Geister“ ausgesprochen deftig zugeht mit rabiaten Szenen und Texten. Wobei die diesjährigen Akteure aus den Jahrgängen 9 bis 13 kommen und einige gerade erst dieses Alter erreicht haben.

 Die besonderen Umstände lassen im Übrigen lediglich 50 Zuschauer pro Aufführung zu. Wegen der wettermäßigen Unwägbarkeiten und eventueller Querschüsse durch Corona gibt es keinen Vorverkauf und es wird ein QR-Code vorgehalten, um tagesaktuell feststellen zu können, ob die jeweilige Vorstellung stattfinden kann.

 Für Jens Marnowsky ist es seit 1998 bereits die 18. Inszenierung, die des letzten Jahres aber soll auch nicht entfallen. Die Pandemie hatte das selbst entwickelte Stück „Homo Empathicus“ bekanntlich ausgebremst, nachdem es schon fast bühnenreif einstudiert war. Es dreht sich um die wilden 20er Jahre des 20. Jahrhunderts und hier heißt es noch einmal „Trotzdem“ – es soll nun eben 2022 nachgeholt werden und dann möglichst wieder in gewohnter Form und im Theater am Dannhalm.

Autor: Wolfgang A. Niemann 

Ein bisschen wie Rühmanns Feuerzangenbowle

das Hauptgebäude des MG, der historische Trakt

GESCHICHTE Warum 22 Männer vor 75 Jahren ihr Abitur in Jever zweimal machen mussten

JEVER/WAN An sich ist das Abitur ja eine einmalige Angelegenheit, mit der die Absolventen die „Allgemeine Hochschulreife“ erlangen. Vor 75 Jahren jedoch gab es am Mariengymnasium zu Jever 22 jungen Männer, die gewissermaßen ein doppeltes Abitur ablegten.

 Bis auf ein paar internierte Soldaten oder Vertriebene handelte es sich um den jeverschen Jahrgang 1926. Diese Schüler hatte die Wehrmacht kriegsbedingt im März 1943 als Flakhelfer zum Fliegerhorst Upjever abkommandiert. Anfangs gab es dort auch noch etwas Unterricht, da die jungen Männer jedoch bald schon als viel wichtiger für die Erringung des Endsiegs erachtet wurden, erhielten sie auf Grundlage einer entsprechenden Verordnung von 1940 das sogenannte Notabitur und den Marschbefehl.

 Wie Oswalt Andrae (1926-1997) zum Goldenen Abitur vor 25 Jahren als Betroffener süffisant schilderte, sollte sich das mit der Hochschulreife als eine Illusion herausstellen: „Das Soldatenleben pflegte im Allgemeinen nicht nur Hebung des geistigen Niveaus eines Menschen beizutragen. Da außerdem die Schulbildung der Kriegsabiturienten recht lückenhaft war,…. entschlossen sich die Hochschulen 1945, die sogenannten Reifevermerke ohne Prüfung nicht mehr anzuerkennen.“

 Um die an dieser Misere ja schuldlosen jungen Männer nicht im Regen stehen zu lassen, lud man sie zu einem halbjährigen Kursus ein, um die für das Abitur erforderlichen Kenntnisse doch noch zu erwerben. Immerhin wollte man den „Kriegsveteranen“ aber nicht das volle Programm aufnötigen und beließ es bei den Fächern Deutsch, Latein, Englisch, Mathematik und Physik.

 Um den wieder anlaufenden Schulbetrieb im MG, das während der Kriegsjahre bekanntlich als Lazarett genutzt worden war, nicht durch solche erwachsenen Schüler zu stören, fand der Unterricht ab dem 24. Oktober in einem Privathaus an der Schlachte statt. Wie klug diese Regelung war, unterstreicht dazu ein Kommentar von Oswalt Andraes Klassenkamerad Ingo Gralfs: „Es war erstaunlich, wie junge Männer, die die schrecklichsten Kriegswirren durchlebt hatten, auf der Schulbank wieder in die alte Pennälerhaltung zurückfielen.“

 Tatsächlich gibt es manche Anekdoten über kleine Flegeleien, Zigarettenqualm in der Klasse und Veräppelungen von Lehrern. Die übrigens durchweg Spitznamen bei den Schülern hatten: Direktorlein (Oberstudiendirektor Gerwin), Hein Uhl (OstD Dr. Uhlmann), Klassenlehrer Buffi (Studienrat Schmertmann), Traumulus (StR Dr. Niermeyer), Pük (StR Dr. Andrée) und Pips (StR Krüger).

 Am 1. April 1946 war es dann wirklich kein Aprilscherz, dass alle 22 ihr nunmehr einschließlich einer Prüfung erworbenes vollwertiges Reifezeugnis erhielten. Und es ist überliefert, dass aus allen „etwas geworden“ ist. Ingo Gralfs zum Beispiel machte eine Karriere bis hin zum Senatspräsidenten beim OLG Celle und Oswalt Andrae wurde als Dichter und Schriftsteller weit über seine Heimat hinaus berühmt.

Autor: Wolfgang A. Niemann

Neue Virtrinen für Mariengymnasium

BILDUNG Verein der Ehemaligen tagte

JEVER/WAN Aus der coronabedingten Not machte der „Verein der Ehemaligen des Mariengymnasiums zu Jever e.V.“ eine Tugend. Am Freitag führte der Verein seine Jahreshauptversammlung als Hybridveranstaltung per Videokonferenz durch.

 Da die weit über 500 Mitglieder ohnehin quasi weltweit verstreut sind, hatte das den Vorteil, dass diesmal einige von weit her teilnahmen. Unter ihnen konnte die Vereinsvorsitzende Renate Janßen-Niemann mit Antje Naujoks sogar ein Mitglied aus Beer Sheva in der israelischen Negevwüste begrüßen.

 Der Jahresbericht zeigte, dass durch die Pandemie für die Ehemaligen zwei Veranstaltungen weggebrochen waren. So musste der Abend mit Walter Joshua Pannbacker aus der Reihe „Ehemalige persönlich“ entfallen und schmerzlich vermisst wurde auch das beliebte Alumni-Treffen von jungen und nicht so jungen Ehemaligen nach Weihnachten im Mariengymnasium.

 Einhellig befürwortet wurde bei den alljährlichen Spenden für Schulzwecke ein Betrag von 2000 Euro. Dazu erläuterte der ebenfalls zugeschaltete Schulleiter Jürgen Ploeger-Lobeck die eine Hälfte des Betrages für den Bereich Musical AG. Deren Choreograf Meik Stephan habe für das letztjährige Stück vollen Einsatz gebracht und dann musste es pandemiebedingt abgesagt werden. Auch für dieses Jahr sei eine Aufführung fraglich.

 Der Choreograf werde üblicherweise aus den Einnahmen bezahlt, die aber nicht zustande kamen. Aus dem Schuletat sei ein Honorar jedoch nicht statthaft, andererseits könne man ihn schlecht „für lau“ arbeiten lassen. Nun sollen sich die Ehemaligen und die beiden anderen Fördervereine des MG die Entlohnung teilen.

 Als Signal zum Einplanen wurden zudem 1000 Euro für ausgeleuchtete Vitrinen im naturwissenschaftlichen Trakt bewilligt, die aber vermutlich erst 2022 aufgestellt werden können. In ihnen sollen wertvolle Tierpräparate und ähnliches ausgestellt werden, die bei den derzeitigen Renovierungsarbeiten wiederentdeckt wurden.

 Bei seinen Schilderungen aus dem Schulleben in Corona-Zeiten konnte Schulleiter Ploeger-Lobeck davon berichten, wie gut dem MG die Umstellung auf den digitalen Betrieb gelungen ist (die WZ berichtete). Es herrsche allgemeine Zufriedenheit bei allen Betroffenen. Belastungen gebe es am ehesten von außen, wenn zum Beispiel die Landesschulbehörde per Mail Schnell- bzw. Selbsttest anordne und das mit 30 Seiten Anleitung dazu.

 Abschließend wurde Antje Naujoks für ein Buchgeschenk gedankt, das sie der Bibliothek des MG gemacht hatte. Es ist ihre mittlerweile 15. Übersetzung aus dem Hebräischen und diesmal ging es um Pater Ernst Schmitz‘ Werk „Das Heilige Land zu Beginn des 20. Jahrhunderts“. Der Geistliche und Zoologe hatte darin auch über Ulrich Jasper Seetzen geschrieben, den berühmten Orientforscher aus Jever. Dieser einstige Abiturient des MG sei im Übrigen noch immer sehr präsent vor Ort und Antje Naujoks, die seit vielen Jahren in der Wüstenstadt lebt, schaut sogar von ihrem Balkon auf den Ort, wo Seetzen 1807 kurz geweilt hat.          

Autor: Wolfgang A. Niemann

Abitur unter besonderen Vorzeichen

FOTO: Schulleiter Jürgen Ploeger-Lobeck über die Schulter geschaut: eines der typischen Unterrichtsmodule, die im digitalen Unterricht über IServ laufen      

  JEVER/WAN Im Jahr 2020 hatte es wegen der Umstellung von G 12 auf G 13 gar kein Abitur am Mariengymnasium zu Jever gegeben. Dafür wird das Abitur 2021 nun um so spezieller, denn die Coronakrise lässt auch an dieser Schule keinen Normalbetrieb zu.

 Dennoch erklären Schulleiter Jürgen Ploeger-Lobeck und seine Stellvertreterin Katrin Finke optimistisch, dass die aktuelle Q2 ein hervorragender Jahrgang sei, der nach Ostern mit den Abi-Klausuren beginnen und am 14. Juni seine Noten bekommen werde. Ihr Optimismus begründet sich auf zahlreichen Maßnahmen, mit denen man sich mit Erfolg den besonderen Bedingungen angepasst hat.

 70 Schüler umfasst die Q2 und nur fünf von ihnen haben sich aus verschiedenen triftigen Gründen für das Home-Schooling entschieden. Mit ihnen hält man den nötigen Kontakt per Videokonferenz einschließlich Konferenzmikrofonen und der Unterricht laufe problemlos. Die übrigen Schüler aber genießen außergewöhnliche Raumbedingungen, denn da ja alle anderen fast 1000 Schüler derzeit im Home-Schooling sind, stehen diesen 65 für ihren Präsenzunterricht sämtliche Räume des MG zur Verfügung.

 Da gibt es keinerlei Probleme mit dem Abstand, wenn sich zum Beispiel eine Gruppe für ein bestimmtes Fach gleich in einem ganzen Kunstsaal verteilen kann. Lediglich für die Lehrkräfte bedeutet das zuweilen einiges an „Wanderschaft“ zwischen den Klassen. Die Zusammenarbeit im aktuellen Abi-Jahrgang sei hervorragend, zum Anderen komme diese Q2 in besonderem Maße in den Genuss der Betreuung durch sämtliche betroffenen Lehrkräfte, da keiner von ihnen durch Klassenfahrten oder Lehrerfortbildungen abwesend sei.

 Eine Besonderheit für das Abitur 2021 gilt im Übrigen für ganz Niedersachsen: die zentralen Aufgabenstellungen eröffnen diesmal Auswahlmöglichkeiten. Während sonst auch die Kurslehrer die Aufgaben erst am Klausurmorgen erfahren, gibt es ausnahmsweise für Arbeitsbereiche, die nicht genügend behandelt werden konnten, Alternativvorschläge.

 Einziger kleiner Wermutstropfen für das MG ist die auffallend geringe Zahl angehender Abiturienten in diesem Jahr. Da habe es aus verschiedenen Gründen leider einen kleinen Aderlass im letzten Jahr gegeben. So sei das Fehlen einer Informatikklasse ein wichtiger Grund gewesen, aber auch einige andere ungünstige Konstellationen. Da habe vor allem das Gymnasium der BBS mit seinem deutlich anderen System von Wahlmöglichkeiten gelockt, erläuterte Schulleiter Ploeger-Lobeck dazu.

 Inzwischen habe das MG da jedoch an einigen wichtigen Stellschrauben gedreht und erwarte bei den nächsten Abi-Jahrgängen wieder die gewohnten Zahlen von 100 plus. Ansonsten aber hat das Gymnasium die Krise bisher bestens in den Griff bekommen und da halfen auch Maßnahmen, die bereits vor Corona erfolgten. So erfolgt der digitale Unterricht über Videokonferenzen und mit Aufgabenmodulen für das jetzt nahezu komplette Home-Schooling über das IServ-System.

 Das schuleigene IServ-Team im Kollegium hatte schon vor Corona die Fortbildungstage wegen des wegfallenden Abiturs zur Ausbildung genutzt und längst ist die jetzige Nutzung bei Lehrern wie Schülern zum Normalfall geworden. Der Server stehe übrigens im Haus und da Iserv kein offener Kanal sei, haben auch Dritte keinen Zugang. Alle Schüler seien zudem ausreichend technisch ausgerüstet, wobei 40 von ihnen mit Leihgeräten über den Landkreis Friesland versorgt wurden.

 Abschließend drückt nun Katrin Finke, die turnusmäßig den Abi-Vorsitz hat, der Q2 die Daumen für ein gutes Gelingen. Und dass die Abiturienten weder auf die am 1. Juli in der Stadtkirche geplante Zeugnisausgabe noch auf die obligatorische Abi-Fete verzichten müssen.

Autor: Wolfang A. Niemann

Einladung zur Jahreshauptversammlung

Einladung zur Jahreshauptversammlung am Freitag, dem 19. März 2021, um 19 Uhr. In diesem Jahr das erste Mal als öffentliche online-Video-Konferenz. Hierzu sind alle Mitglieder und Gäste herzlichst willkommen.

Hier können Sie teilnehmen: https://www.gotomeet.me/VdE-MGJ 

Bitte verwenden Sie unbedingt ihren echten Namen.

Tagesordnung 

1. Begrüßung 

2. Genehmigung des Protokolls 

3. Bericht der Vorsitzenden 

4. Bericht des Schatzmeisters 

5. Bericht der Rechnungsprüfer 

6. Entlastung des Schatzmeisters 

7. Entlastung des Vorstands 

8. Neuwahlen der Rechnungsprüfer

9.Vergabe der Fördermittel

10. Schule in Corona-Zeiten

11. Verschiedenes 

Renate Janßen-Niemann, Vorsitzende 

Eine Bibliothek, wie sie im Buche steht

 

Was steht drin im dicken Wälzer über die Geschichte der Bücherei des Mariengymnasiums

 JEVER/WAN Dieser Sonntag war ein historischer Tag für den Förderverein der Bibliothek des altehrwürdigen MG, denn er trat mit dem sogenannten Bibliotheksbuch „Die Bibliothek des Mariengymnasiums Jever – ein Kosmos für sich“ erstmals als Verleger auf.

 Schulleiter Jürgen Ploeger-Lobeck konnte coronabedingt nur wenige Gäste im Foyer des Bibliothek begrüßen. Um so mehr freute er sich jedoch über dieses Kompendium, mit dem der Öffentlichkeit noch anschaulicher gezeigt werden könne, welche Bücherschätze hier versammelt sind. Gerade eine Bibliothek wie diese diene einschließlich ihres wissenschaftlichen Apparats als Brücke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

 Herausgeber Hartmut Peters, der das hochwertige bibliophile Buch gemeinsam mit Hans-Jürgen Klitsch und Hartmut Kroll in dreijähriger intensiver Arbeit zusammengestellt hat, erläuterte das Projekt. Im Mai 2000 sei die neue Bibliothek fertiggestellt worden und von da an habe man all die alten unschätzbaren Folianten aus dem Keller geholt. Bevor sie jedoch in die Historische Abteilung eingestellt werden konnten, mussten sie in kostspieliger Arbeit erst einmal von Diplom-Bibliothekarin Heide Ilchmann restauriert werden.

 Da habe man „Bücherschätze am offenen Herzen“ seziert und vieles von diesem Altbestand habe nun Einzug in das Bibliotheksbuch gefunden. Nur dank Sponsoren und der Mitgliedsbeiträge des Fördervereins konnten die 31500 Euro für das Buchprojekt aufgebracht werden. Was im Übrigen die reinen Herstellungskosten sind, denn die 13 Autoren lieferten ihre Beiträge honorarfrei. Und das, obwohl manche Artikel sogar wissenschaftliches Neuland betreten, wie Hartmut Kroll als Schatzmeister des Fördervereins betonte.

 Bibliotheksleiterin Dr. Anja Belemann-Smit, die selbst mit mehreren Beiträgen vertreten ist, dankte denn auch ausdrücklich der Oldenburgischen Landschaft, der Kulturstiftung der LzO, der Dr-Falko-Oellrich-Stiftung, der Philipp-Orth-Stiftung, dem Hilfsverein für das Mariengymnasium von 1837 sowie der Jürgen-Ohmstede-Stiftung für ihre namhafte finanzielle Unterstützung.

 Ihr besonderer Dank galt bei der Vorstellung außerdem Jens Zander, der für das exzellente Layout des gesamten Buches verantwortlich zeichnet. Er erläuterte den hohen Aufwand, mit dem einige der historischen Illustrationen in der sehr hohen Auflösung des Originals 1:1 reproduziert wurden. Da empfehle sich beim Studieren die Verwendung einer Lupe für all die filigranen Details.

 Das Buch beginnt mit Hartmut Peters‘ großem Abriss zur Geschichte der Bibliothek. Des weiteren gibt es Artikel zu Folianten bis aus dem 15. Jahrhundert, aber auch zu namhaften Dichtern, die in der jüngeren Vergangenheit Spuren in Jever und gerade auch am Mariengymnasium hinterließen wie Georg von der Vring und Oswalt Andrae. Als kleines Schmankerl beim Artikel zu Ulrich Jasper Seetzens Brief aus Kairo von 1809 gibt es diesen in einem Faksimile des Originals beigefügt.

 Und schließlich nahm Hans-Jürgen Klitsch Bezug auf die aktuell grassierende Pandemie. Genau eine solche beschreibt er nämlich auch in seinem Beitrag über einen Bericht über die „Pest von Danzig“ im Jahr 1709, die unter anderem sogar den Rat enthält, bloß keinen Arzt aufzusuchen. Auch hierzu finden sich alte Bilder unter den 280 Abbildungen des Buches mit seinen 374 Seiten. Erhältlich ist es nun für 39 Euro in den hiesigen Buchhandlungen aber auch im Mariengymnasium selbst.   

Autor: Wolfgang A. Niemann

Bezug des Buches über Hartmut Kroll 

Telefon: 04461-3418 

E-Mail: hartmut.kroll@ewetel.net 

Schulbesichtigung im MG

Durch die aktuelle Schulschließung mussten leider alle angefragten Führungen von Jubiläumsjahrgängen und anderen Interessierten selbstverständlich abgesagt werden.

Umso schöner, dass es bereits eine langfristige Planung der Schulleitung gibt:

03.10.2020 um 14:30 Uhr: Führung durch die Schule (40-jährige Absolvent*innen der 10. Klasse).

Haben auch Sie Interesse dieser Führung beizuwohnen, so melden Sie sich gerne.

Ihr Ansprechpartner: Herr Stück (e.jonas.stueck@mariengym-jev.de

Mit bestem Dank an Herrn Ploeger-Lobes, der uns auf diesen Termin hinwies.

Ehemalige Persönlich – Vortrag mit Dr. Gerwin Moldenhauer

FOTO: v.l. Renate Janßen-Niemann, Peter Tolksdorf, Dr. Matthias Bollmeyer (alle Ehemaligen-Verein), Dr. Gerwin Moldenhauer, Schulleiter Jürgen Ploeger-Lobeck sowie Dirk Degener (Ehemaligen Verein)    

  JEVER/WAN Mord und Totschlag und sogar Terrorismus hielten am Mittwoch Einzug ins Mariengymnasium zu Jever. Schulleiter Jürgen Ploeger-Lobeck aber freute sich in der sehr gut besuchten Aula über den speziellen Gast, der all das an seine alte Penne mitbrachte.

 Dr. Gerwin Moldenhauer machte 1993 das Abitur am MG und 2019 hatte Dr. Matthias Bollmeyer vom Verein der Ehemaligen ihn für „Die alte Schulglocke“ interviewt. Zusätzlich hatte der gebürtige Schortenser aber auch einen Vortrag unter dem Titel „Recht. Staat. Schutz“ zugesagt und er kam gern hierher. Er sei ein mittelmäßiger Schüler gewesen, halte aber immer noch viel Kontakt zu früheren Schulkameraden.

 Ein frühes Rechtsstaatsempfinden habe er 1986 bei seiner ersten Demo in Jever erlebt, als Schüler gegen das Berufsverbot der Lehrerin Dorothea Vogt auf die Straße gingen. Sie war wegen der Mitgliedschaft in der nicht verbotenen DKP aus dem Beamtenverhältnis entlassen worden und wurde erst 1995 durch Rechtsprechung des Europäischen Menschenrechtsgerichts rehabilitiert. Moldenhauer bekam es nach seinem Jura-Studium seit 2005 als Staatsanwalt dann mit Kapitalverbrechen zu tun.

 Da ging es in Hamburg um Ermittlungen und Gerichtsverfahren gegen „schwere Jungs“ und dergleichen. Bis er 2013 zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe und dort zum Generalbundesanwalt abgeordnet wurde. Dort geht es um den Justiziellen Staatsschutz und in der „Festung“ mit Mauern und Panzerglas – Moldenhauer zeigte ein Bild des schönen aber schwer abgeschotteten Gebäudes – arbeiten rund 180 Mitarbeiter in den Abteilungen „Revision“ und TE, also Terrorismus, und Spionage.

 Mit rund 20 Kollegen ermittelt Moldenhauer hier zu terroristischen Vereinigungen wie RAF, NSU und Dschihadisten, aber auch bei „Verfahren von besonderer Bedeutung“ wie der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke. Der Linksterrorismus sei im Übrigen ebenfalls „kein Schnee von gestern“, so gehe ein früheres RAF-Trio immer noch auf Raubzüge und in Berlin gab es Brandanschläge auf Polizeiautos.

 Während er selbst noch im „Massengeschäft islamischer Terrorismus“ ermittelte, sei dann am 4. November 2011 wie ein Tsunami der NSU-Komplex über sie hereingebrochen, der die Sicherheitstruktur Deutschlands veränderte. Der mittlerweile zum Oberstaatsanwalt beförderte Moldenhauer entwickelte sich zum Spezialisten für den „Nationalsozialistischen Untergrund“ und stellte nun etliche spannende Details vor. Er war nicht nur in den NSU-Prozess in München involviert, er hatte auch bei den Ermittlungen Erlebnisse der besonderen Art.

 So verhörte er den NPD-Politiker Ralf Wohlleben im Knast und konnte Entscheidendes über eine Tatwaffe des NSU aus ihm herauskitzeln. Was ihn zur umgehenden Verhaftungsaktion mitsamt Einsatzkräften der GSG 9 in Zwickau führte. Gerwin Moldenhauer vertritt im Übrigen auch Generalbundesanwalt Dr. Peter Frank persönlich bei den häufigen Lagebesprechungen im GTAZ (Gemeinsames Terrorismus-Abwehrzentrum) in Berlin, in dem sich Staatsschutz, Polizeien und Geheimdienste austauschen.

 Mit spürbarer Begeisterung schilderte er auch etliche andere Aspekte, so die Folgen des von Präsident Trump angeordneten Rückzugs der US-Truppen aus Syrien/Irak: unter den über 1000 „Foreign Fighters“ des IS seien gut 120 solche mit Deutschland-Bezügen, die freizukommen drohen und also relevant für Ermittlungen des Generalbundesanwalts werden können. Unter viel Beifall schloss Moldenhauer dann seine fesselnden Ausführungen mit einem Bedauern: vor Gericht müssten die Ermittler ihre Methoden offenlegen, so dass die Gegenseite stets dazulerne. „Also kriegen wir meist nur die Dummen.“

Autor: Wolfgang A. Niemann